In der Rostocker Marienkirche, dem Kleinod norddeutscher Backsteinarchitektur im Herzen der Hansestadt, befindet sich ein technisches Kunstwerk von Weltgeltung: die Astronomische Uhr. Sie gehört zu einer Familie vergleichbarer europäischer Großuhren wie in Danzig, Strasbourg oder Lund. Weltweit einzigartig ist die Rostocker Uhr jedoch, da sie als einzige mit ihrem ursprünglichen mittelalterlichen Uhrwerk von 1472 noch bis heute präzise funktioniert. Tag für Tag werden ihre fünf Werke von Hand aufgezogen.
Die exakten Anzeigen der Uhrzeit, der Mondphasen und des Sonnenjahres sowie die zahlreichen Daten der Kalenderscheibe zeugen von der hohen Kompetenz der Wissenschaft des 15. Jahrhunderts. Die hochwertige künstlerische Neugestaltung der Uhr im Jahr 1643 verbindet die Zeitansage mit dem umgebenden Kirchenraum. Die Apostel mit dem segnenden Christus im oberen Bereich der Uhr und die Evangelisten als Wächter in den vier Ecken machen sie zur ständigen Mahnung, wie unsere Zeit verrinnt und welch Wimpernschlag unser Leben ist angesichts der Ewigkeit Gottes.
Der Apostelumgang um 12.00 Uhr ist der Auftakt des täglichen Mittagsgebets in der Marienkirche in den Sommermonaten. Und der Stundenschlag ist verbunden mit einem Choral des Glockenspiels der Uhr, den der Kantor je nach Kirchenjahreszeit auf der zugehörigen Walze "programmiert".
Die Daten der jetzigen Kalenderscheibe umfassen die Jahre von 1885 bis 2017. Wenn am 1. Januar 2018 die neue, bereits angefertigte Kalenderscheibe an der Uhr angebracht wird, ist das der Startschuss zum 800jährigen Jubiläum der Hansestadt Rostock. Und viele Rostockerinnen und Rostocker träumen davon, dass an diesem Tag auch verkündet werden kann, dass die Rostocker Astronomische Uhr auf die UNESCO- Weltkulturerbe-Liste aufgenommen wird. Verdient hätte sie es alle Mal. Überzeugen Sie sich selbst!
Tilman Jeremias, Pastor der Ev.-Luth. Innenstadtgemeinde Rostock